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Starkregen
Abbildung 1: Almhorst 10.07.2024© Feuerwehr Almhorst
Der Klimawandel schreitet immer weiter fort, sodass sich das Auftreten von Starkregenereignissen häuft/häufen wird. Ein solches Regenereignis ist meist unberechenbar und oft lokal ausgeprägt. Auch im Sommer 2024 kam es im Stadtgebiet von Seelze erneut zu Starkregenereignissen, wodurch es zu Überflutungen sowohl von öffentlichen Flächen als auch privaten Flächen kam (s. Abbildung 1). Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, um z.B. Keller von eindringendem Regenwasser zu befreien. Für die Überflutungsgefahr durch Starkregen ist die Intensität des Ereignisses ausschlaggebend (siehe Flyer "Starkregenschutz"). Die Kanalisation ist nicht auf derartige Regenereignisse ausgelegt. Die Menge des Abflusses eines Starkregens liegt deutlich über dem, was die Kanalisation transportieren kann. Würde die Kanalisation auf ein Starkregenereignis ausgelegt werden, wären die Rohre zu groß gewählt, sodass bei „normalem“ Regen Probleme auftreten würden, wie z.B. verstärkte Ablagerungen.
Im Folgenden finden Sie wichtigen Informationen zum Thema Starkregen und Starkregenvorsorge.
Was ist der Unterschied zwischen Starkregen und Hochwasser?
Abbildung 3: Unterscheidung zwischen einem Flusshochwasser und einem Starkregen (Quelle: Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen, UAN, 2024)© Kommunale Umwelt-AktioN UAN e.V.
Hochwasser entsteht in der Regel durch lang andauernde, großflächige Niederschläge mit meist geringer Intensität. Starkregen hingegen ist kurz und heftig (intensiv). Starkregen kann überall auftreten und muss nicht wie bei einem Hochwasser einen Bezug zum Gewässer haben (s. Abbildung 3).
An kleinen Gewässern ist eine klare Abgrenzung zwischen Hochwasser und Starkregen oft nicht möglich, da Überflutungen als Kombination von oberflächig abfließendem Starkregen und ausufernden Gewässern entstehen kann.
Was ist eigentlich Starkregen?
Eine allgemeingültige weltweite Definition von Starkregen ist schwierig, da die Auswirkungen abhängig von der Oberfläche, der Klimazone und der Niederschlagsmenge sind. Nicht jeder starke Regen ist ein Starkregen. Es muss unterschieden werden zwischen Starkregen und Dauerregen (mehr als 12 Stunden anhaltender Regen). Als Starkregen bezeichnet man ein Regenereignis, bei dem eine sehr hohe Menge an Niederschlag innerhalb kürzester Zeit fällt. Starkregenereignisse treten typischerweise als Sommergewitter oft sehr lokal auf und werden nur teilweise von dem Regenmessnetz erfasst. Dadurch ist eine Vorwarnung nur sehr kurzfristig möglich. Außerdem ist eine konkrete Vorhersage für ein bestimmtes Starkregenereignis bezüglich der genauen Lage ebenfalls nur schwer zu treffen.
Meteorologen geben die Niederschlagsmenge in Millimeter pro Stunde (mm/h) an. 1 Millimeter entspricht 1 Liter Wasser pro Quadratmeter.
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkregen, wenn folgende stündliche Regenmengen vorhergesagt werden:
- Regenmenge 15 bis 25 mm / Stunde (Starkregen)
- Regenmenge 25 bis 40 mm / Stunde (Heftiger Starkregen)
- Regenmenge über 40 mm / Stunde (Extrem heftiger Starkregen)
Vergleich: Die langjährige, durchschnittliche Regenmenge beträgt für die Region Hannover rund 55 mm im Monat.
Zur besseren Einordnung und Beschreibung von Regenereignissen wird ein dimensionsloser Starkregenindex (SRI) eingeführt (s. Abbildung 2). Die ansteigenden Indexwerte von 1 bis 12 zeigen, jeweils die während einer bestimmten Niederschlagsdauer gefallenen, immer größer werdenden Regenhöhen an. Je höher der Index, desto größer ist die Überflutungsgefahr infolge des Regenereignisses.
Abbildung 2: Starkregenindex© Kommunale Starkregenvorsorge in Niedersachsen, UAN, 2024
Welche Gefahren können durch Starkregen entstehen?
Abbildung 4: Gefährdungen durch Starkregen© Region Hannover
Bei Starkregenereignissen fallen meist in kurzer Zeit sehr große Mengen an Regen, wodurch das Wasser nicht mehr vom Untergrund aufgenommen oder über das Entwässerungssystem abgeführt werden kann. Dies kann unter anderem zu plötzlichen Sturzfluten mit hohen Fließgeschwindigkeiten führen. Außerdem kann es zum Fluten von großen Bereichen kommen. In besiedelten Gebieten kommt es häufig zu Überflutungen mit großen Schäden durch unkontrolliert abfließendes Wasser. Dies geschieht, weil Bäche und Gräben anschwellen, eine Überlastung der Kanalisation stattfindet, es zu Rückstau kommt und/oder der Boden gesättigt ist. Eine weitere Gefährdung, die durch Starkregen entstehen kann, ist das Aufstauen von Sickerwasser, das zu Vernässungen der Gebäudehülle führen kann (s. Abbildung 4).
Woher weiß ich, ob mein Grundstück gefährdet sein könnte?
Die Starkregenhinweiskarte der Region Hannover kann als erste Identifikation von überflutungsgefährdeten Bereichen bei Starkregen dienen. Die Hinweiskarte ist jedoch nur eine Momentaufnahme bei der die Kanalisation nicht betrachtet wird.
Unter folgendem Link ist die Starkregenhinweiskarte zu finden: Starkregenhinweiskarte
Um die Karte von Seelze anschauen zu können, müssen Sie auf der Übersichtskarte auf „Seelze“ klicken und danach auf „Anzeigen“.
Falls Interesse an einer Detailauskunft in Form eines Plans von Ihrem Grundstück besteht, melden Sie sich bei dem/der oben angegebenen Ansprechpartner/in.
Was sagt die Starkregenhinweiskarte aus und auf welcher Grundlage wurde sie erstellt?
Der Starkregenhinweiskarte liegen Gebäude und Infrastrukturdaten (sog. ALKIS-Daten) aus dem Jahr 2020 zugrunde, das digitale Geländemodell (Oberflächenmodell) stammt aus dem Jahr 2017.
Zusätzlich wurde mit dem Gebiet der gesamten Region Hannover ein sehr großer Bereich modelliert ohne Berücksichtigung von Kanalnetzdaten und anderen abflussbeeinflussenden Bebauungen (z.B. kleinere Mauern etc.). Daher erhebt das Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann nur erste Hinweise geben.
Es wurde ein Überflutungsszenario mit einer statistischen Wiederkehrzeit von 50 Jahren erstellt (tritt wahrscheinlich alle 50 Jahre auf, außergewöhnliches Starkregenereignis, Starkregenindex 6, s. Abbildung 2). Bei diesem Starkregenereignis fallen 40 mm Niederschlag pro Quadratmeter in 1 Stunde.
Abbildung 5: Starkregenhinweiskarte der Stadt Seelze© Region Hannover
Die Hinweiskarte gibt Wasserstände für die betroffenen Bereiche an. Bei den dargestellten maximalen Wasserständen handelt es sich nicht um gemessene Wasserstände, sondern um die Ergebnisse von Berechnungen. Die Starkregenhinweiskarte der Region Hannover stellt in einem 1 x 1m-Raster maximale Wasserstände dar, die im Verlauf des simulierten Starkregenereignisses auftreten. Diese Wasserstände werden in vier Stufen klassifiziert, die in der Karte durch unterschiedliche Einfärbung der Rasterzellen dargestellt werden:

Hinweis: Die vorliegende Modellberechnung für Starkregenereignisse berücksichtigt nicht die Gefährdung durch Hochwasser aus Gewässern. Die Gewässer sind im Modell berücksichtigt, aber nur in der Art und Weise, dass sie als "Senken" im digitalen Geländemodell abgebildet werden und Fließwege darstellen. Der mögliche Wiederaustritt von Wasser aus Gewässern ist hier nicht berechnet. Abweichend zu den vorliegenden Berechnungen kann es zu Überschwemmungen aus Gewässern kommen.
Wo erhalte ich aktuelle Informationen?
- KATWARN App (kostenlos)
- NINA Warn-App (kostenlos)
- Wetterapp mit Regenradar (z. B. RegenRadar, kostenlos)
- Webseiten mit aktuellen Wetterberichten
- Radio
Wie verhalte ich mich im Starkregenfall?
- Bleiben Sie im Gebäude, meiden Sie aber überflutungsgefährdete Räume wegen Gefahr aus elektrischen Anlagen
- Schalten Sie frühzeitig den Strom für Gebäude/-teile und Räume ab, die von eindringendem Wasser bedroht sind
- Verfolgen Sie die Wetterberichte und Nachrichten
- Dichten Sie ungesicherte Bereiche ggf. mit Sandsäcken an Türen und Fenstern ab
- Sichern Sie Mülltonnen, Wertstoffbehälter, etc. vor wegschwimmen
- Halten Sie Dachrinnen und Fallrohre frei, damit der Niederschlag ungehindert abfließen kann und aufgestautes Wasser keine Schäden am Haus verursacht
Weitere Informationen finden Sie unter "Dokumente" im Flyer "Starkregenschutz" der Region Hannover.
Welche Pflicht zum Schutz und Vorsorge bei Starkregen habe ich als Eigentümer/in?
Weder Bund, Länder noch Kommunen haften für durch Starkregen (oder Hochwasser) verursachte Schäden an privaten Gebäuden oder Sachwerten. Die Verpflichtung der Eigenfürsorge ergibt sich aus dem §5 Absatz 2 des Wasserhaushaltsgesetzes. Sie als Eigentümer/in müssen Maßnahmen an Ihrem Grundstück oder Gebäude zum Schutz vor eindringendem Regenwasser treffen. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihr Grundstück, Ihre Entwässerungsanlage und die Umgebung und schauen Sie ob Sie ggf. Bereiche vorfinden, die dazu führen könnten, dass ein Starkregen Schäden an auf Ihrem Grundstück oder an Ihrem Eigentum verursachen könnte. Hierzu zählt zum Beispiel eine Rückstausicherung. Falls Abflussrohröffnungen, sei es Toiletten oder Duschen, unterhalb der Rückstauebene liegen, ist der Einbau einer Rückstausicherung und eine entsprechende regelmäßige Wartung vorgeschrieben (s. Abbildung 6).
Abbildung 6: Vergleich Rückstau aus der Kanalisation ohne und mit Rückstausicherung© Region Hannover
Ebenfalls sollten Sie sich ggf. gegen drückendes Grundwasser von unten (aus dem Boden) sichern. Fenster, Türen und weitere Öffnungen, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssen abgedichtet werden. Außerdem sind Einfahrten mit einem Gefälle zu Ihrem Hause hin ein weiterer Faktor, der den Schaden an Ihrem Eigentum vergrößern könnte. Daher ist eine zusätzliche Entwässerung oder Erhöhung der Einfahrt in solchen Fällen oft notwendig.
Um zu erkennen, ob Ihr Gebäude grundsätzlich durch Starkregen gefährdet ist, sollten Sie folgende Fragen beachten:
- Kann Regenwasser von der Straße oder vom Grundstück in die Tiefgarage fließen? (vorgeschaltete Rinnen oder Abläufe sind bei Starkregen häufig überlastet)
- Liegt Ihr Grundstück bzw. Gebäude in einer Geländesenke oder unterhalb einer abschüssigen Straße oder eines Hanges?
- Liegt das Grundstück in der Nähe eines Gewässers (z. B. eines Baches oder Teiches) und kann dieses bis ans Gebäude gelangen?
- Verfügt Ihr Gebäude über einen ebenerdigen Eingang oder eine Terrasse, durch die Regenwasser oberflächig ins Erdgeschoss eindringen kann?
- Kann Wasser über einen äußeren Kellerabgang oder ebenerdige Lichtschächte und Kellerfenster eindringen?
- Haben Gehwege, Hofzufahrten und Stellplätze ein Gefälle zum Haus?
- Sind vorherige Schadensereignisse bei Starkregen vor Ort bekannt?
- Kann oberflächig abfließendes Regenwasser von der Straße oder von Nachbargrundstücken bis an Ihr Gebäude gelangen (z. B. auch über abgesenkte Bordsteine)?