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Wenn die Lohnder Leinebrücke erzählen könnte

Heini Ludewig

So in der klaren Winterluft sieht sie gut aus, unsere Lohnder Leinebrücke. Wie ein Stück aus der Landschaft, wie Baum, Bach und Strauch. Was hat sie schon alles erlebt, gesehen, diese Brücke - wenn die Betonpfeiler sehen, hören und erzählen könnten.

Liebespaare sind über sie in die Wiesen gewandert, Radfahrer sind über sie zu ihrer Arbeitsstelle beim Hartsteinwerk Garbsen gefahren, große Wagen der Bauern haben Heu und Rüben aus den Wiesen und Äckern geholt, Jugendgruppen sind mit frohem Gesang in die Garbsener Schweiz gezogen .

Soldaten der Gummiflak, die in Lohnde stationiert waren, fuhren, als der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen lag, mit ihren Wagen nach Hamburg. Einen großen Teil ihrer Munition warfen sie hinter der Brücke einfach in die Gräben und Wiesen, aber umsichtige Lohnder Bürger sammelten sie in der Dunkelheit wieder auf und schütteten die todbringende Last von der Brücke in die Leine. Da wird sie wohl heute noch liegen, sicherlich schon versandet oder weggeschwemmt sein.

Über die Brücke kamen in der Nachkriegszeit auch jene, die sich Rüben ,besorgt' hatten, um daraus süßen Stips zu kochen. Für Rübensirup konnte man Zigaretten tauschen, und Zigaretten waren damals die Währung.

Die Gemeinde ließ die Brücke im Ersten Weltkrieg erbauen, aber kurz vor der Fertigstellung stürzte sie zusammen. Die Baufirma mußte auf eigene Kosten eine zweite Brücke bauen, die ein gut Teil des Lebens meiner Generation mit erlebt hat.

Aber jetzt steckt der Wurm in der Brücke. Sie hat ausgedient; sie ist nicht mehr sicher. Und ebenso, wie einstmals die Fähre verschwunden und vergessen ist, so wird es dieser Brücke auch ergehen.


Anmerkungen:
Die von der hiesigen Bevölkerung so genannte "Gummiflak" sollte im Krieg mit Hilfe von großen Störballons (aus Gummi) die chemische Fabrik Riedel de Haën zwischen Seelze und Lohnde vor Fliegerangriffen schützen.
Die Lohnder Leinebrücke, eine Stahlbetonkonstruktion, war in den 1970er Jahren, als H.L. diesen Text schrieb, sanierungsbedürftig. In den 1980er Jahren wurde sie jedoch unter Denkmalschutz gestellt und 1987 bis 1989 restauriert.