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Wä dot is, kann nich mähr kören

Heini Ludewig

Düsse Geschichte is passeert, as Seelze noch en lütjet Dörp was. Da sach veelet noch anners ut, un ünner dä Minschen gaff et ok noch Oregenale, also Luie, dä öre Meinung noch sülmst maken un nich uter Bild-Zeitung neimen.

Eck bin up mienen Spazeergang dört Dörp bet anne Sandrehre koomen. Upper Ecke, wo jetzt Slachtermester Bruns ne gaue Wost fabrezeert, da was freuher Koopmann Kruse. Bi öhne keupen we jümmers use ,Stünnenlutscher', we dei harten Zuckerkugeln heiten, wo man ne gaue Stünne uppe rumlutschen könne, ohne dat sei alle wören. Eck bliewe en Moment stahn un keeke na dän Friedhoff röwer, dä up dei annere Stratensiete beginnt.

Da sleiht meck von hinnen ne Hand öwer dei Schuller. Is Hermann Isenbrink, dä noch etliche Johre mähr up dän Buckel het als eck. "Na, Hein", seggt hei, "söchst du deck schon en Platz up Kösters Kampe ut oda wat is?" "Nä", sä eck, "darvan wütt wi nich kören. Mien Lewen fanget ja irst an. Eck bin doch noch, we man sau segget, in dä ,Frühlings Maienblüte'." "Hör up", antwortet hei, "du ole Stiefschoot. Aba da fallet meck just an düsse Stäe ne gladde Geschichten in. Dei schöst du mal opschriewen, damee sei nich valoren geiht." "Denn vatell du man", sä eck.

"Du sühst doch da dat smucke Blaumengeschäft van Gärtner Maaß. Dat gaff et freuher nich. Da wär en ooln Geräteschuppen, wo dei Schuffeln, Bretter, Schuffkarren un all son Heuhnerkram drin wören, dat man brochte, wann en Graff utehoben warrn mößte." "Ja", sä eck, "kann meck noch erinnern. Dat wör dat Reich van Hoppen-Vader, dä vanne Kerken annestellt wör, weil ja dei Friedhoff dä Kerken geheure. Hei mößte sünndages un wann et anne Tied was, ok dei Glocken luien, dei Bälgen anne Orgel träen un annere Dinge daun, dä me dei Kerken tohope hüngen."

"Genau, Hoppen-Vader. Was en gauen Minsche. Aber in siene Oogen satt jümmers sau en lütjer Schalk. Wann hei wat eseggt harre, mößte man jümmers denken: We hat hei dat nu emeint? - Aber nu well eck miene Geschichte vatellen.

En Auto gaff et freuher nich. Da gaff et aber en prachtvollen Totenwogen me twei swatte Päre davorr, un up dän Kutschbock satt dei ,fröhliche August' [Anmerkung: gemeint ist August Fröhlich], wie wei as Jungens säen. Hei harre en staatschen Zylinder up, un so troch he dört Dörp, wann en Minsch tau Ruh ebracht wören schölle. Un de fröhliche August harre bi ner Beerdigung tau Hoppen-Vader seggt: ,Du most dat Graff en Stücke deiper uthebben, damee dä Sarg nich anecket, wann hei rünnerlaten ward. So geiht dat nich füdder. Merk deck dat.' - Hoppen-Vader harre nix darup antwoort.

Aber inne nigeste Weeken was uppen Bahnhowwe en Mann ut Letter annefohrn un öwerfohrn. Hei ward innen Sarg legget un in düssen Geräteschuppen affestellt. Dä fröhliche August mößte nu dän Sarg na Letter bringen. Hei kamm me sienen swatten Wogen naen Friedhowwe, klatere van sienen Bock rünner un gung tau düssen Schuppen. Hei make dei Dör up un da sach hei dän Sarg, dä noch open was. Dä Sargdeckel stünd anne Siete.

August namm sienen Zylinder aff un stund en Moment stille. Da heuere hei dei Woore: ,Na, August, wutt du meck schon halen?' Et was, as harre dei Dote sülmst esproken. August bleef korte Tiet we festewussen stahn, dann stülpe hei sienen Haut wedder öwern Kopp un namm reitut. Hei klatere up sienen Kutschbock rupp, swung dei Pietschen un joge me sienen Wogen inne Sandrehre rin. Dei grote swatte Wogen swanke hen un her, as wolle hei ümmekippen. Bet oben na dä ole Eike, wo dei ,Presedent Meier' wohne.

August was witt we Papeer, dä Sweet stund öhne up dei Stirn; hei was, we man sau segget, ganz vonne Socken. Da kamm öhne dä Gendarm - hei heit in Volksmunne nich anners as ,Otto der Gerechte' - entgegen, wies öhne, antauholen un fraug: ,Was fährt er mit dem Totenwagen wie ein Verrückter die Sandrehre rauf? Sind ihm die Pferde durchgegangen?' ,Nein', sä dei fröhliche August, ,aber eck hebbe ne Froge, Herr Gendarm. Wann en Minsche dot is, kann dei noch kören?' ,Nein', sä Otto der Gerechte, ,wenn ein Mensch richtig und anständig gestorben ist, wie es sich gehört, dann redet er nicht mehr. Dann hat er alles gesagt, was zu sagen war. Was ist denn passiert, daß er so dumm fragt?'
De fröhliche August wische seck den Sweet vanne Stirn un sä: ,Dat was doch Hoppen-Vader, dä da kört hat, un eck bün drup rinnestolpert.' Otto der Gerechte schüddele dän Kopp un sä: ,Er soll nicht schon am frühen Morgen soviel saufen; das ist nicht gesund. Trink er lieber Buttermilch, das entspricht auch mehr der Würde eines Totenwagens.'

As dei fröhliche August wedder na'n Friedhowwe kamm, stund Hoppen-Vader schon anne Dör un sä: ,Wo bliwst du denn? Dei Angehörigen in Letter teubet schon up deck, aber du makest en Wettrennen dör dei Sandrehre.' Dabie lachte hei öwert ganze Gesichte.

Ja, dat is dä Geschichten. Schriff dat man up, dat dat nich valoren geiht."