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Von allen Dörfern, die 1974 unter dem Namen Seelze zu einer Großgemeinde zusammengeschlossen wurden, hat Letter in seiner Geschichte den wohl auffälligsten Wandel erlebt. Ein bemerkenswertes Wachstum Drei Bevölkerungszahlen mögen die bemerkenswerten Veränderungen verdeutlichen. Rund 250 Einwohner hatte Letter 1847, als die Eisenbahn von Hannover nach Minden erstmals südlich des Dorfes vorbeischnaufte. Mit dieser Größe und einer durchweg bäuerlichen Struktur stand die kleine Gemeinde auf einer Stufe mit Almhorst, Döteberg und Kirchwehren. Hundert Jahre später lebten rund 6.000 Menschen in Letter und heute (Januar 2004) sind es 11.500. Dieses ungewöhnliche Wachstum hat vor allem mit der Eisenbahn zu tun. Bevor wir diese Entwicklung jedoch etwas genauer betrachten, blicken wir zurück in die Frühzeit des Dorfes. Älteste Urkunde von 1178 Die älteste uns bekannte Urkunde, in der Letter erwähnt wird, ist ein päpstlicher Schutzbrief für das Kloster Heiningen und dessen Besitztümer, wozu damals auch Land und Höfe in Letter gehörten. Die Siedlung wird seinerzeit aus vielleicht 5 bis 10 auf dem hochwassersicheren Ufer der Leine (an der heutigen Stöckener Straße) aufgereihten Höfen bestanden haben. Nachdem die Grafen von Roden 1196 nordwestlich von Letter, direkt am jenseitigen Leineufer das Augustinerkloster Marienwerder gestiftet hatten, gelangten die letterschen Bauernhöfe bis 1294 nach und nach vollständig in den Besitz dieses Klosters. |
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23 Hofstellen am Ufer der Leine: das war Letter um 1780. Ausschnitt aus einer Karte von Hauptmann Zorn für die Projektierung eines nie durchgeführten Leinedurchstichs. |
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Abseits im Leinebogen gelegen Diese Bauernhöfe lagen jahrhundertelang ein ganzes Stück abseits der Landstraße, die, von Ahlem kommend, nach Seelze und Wunstorf führte. Es gab wohl Wege, die Richtung Kloster Marienwerder und Richtung Stöcken führten, aber sie endeten immer an der Leine. Erst 1752 wurde eine kleine Fähre nach Stöcken hinüber eingerichtet, die aber nur jene Stöckener Bauern befördern sollte, die diesseits der Leine Ländereien hatten. Diese Fähre an der Stöckener Klappenburg wurde erst 1936 durch eine erste Holzbrücke ersetzt. Und noch einmal gut 20 Jahre dauerte es, bis zwischen Letter und dieser Brücke eine einigermaßen befahrbare Straße gebaut wurde. |
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Diese Holzbrücke über die Leine nach Stöcken hinüber ersetzte 1936 die Klappenburgfähre |
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Kirche und Schule Zur Kirche gingen die Letteraner seit Menschengedenken nach Seelze, und ab 1584 sollten die Kinder dort in die Kirchspielschule gehen. 1700 bekam Letter eine eigene kleine Dorfschule, so daß heute die örtlichen Schulen auf eine über dreihundertjährige Geschichte zurückblicken können. Sandabbau Letters Bauern wirtschafteten auf vorwiegend sandigen Böden mit mageren Erträgen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als im nahen Linden und in Hannover Wohnhäuser und Fabriken in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß gebaut wurden, war feiner Bausand plötzlich eine gut bezahlte Ware - und in Letter gab es davon mehr als den Bauern bis vor kurzem lieb gewesen war. Im Dorf und seiner nahen Umgebung wurden zunächst einige Sandhügel vermutlich eiszeitlichen Ursprungs abgetragen, die im Volksmund Hünenhoopen hießen. (Siehe Abbildung Letter um 1780. Dort ist ein Sandhügel etwa dort erkennbar, wo heute die Brüder-Grimm-Schule liegt, ein weiterer ein Stück südlich des Dorfes.) Frühgeschichtliche Funde Begünstigt durch den großflächigen Sandabbau wurden in Letter ungewöhnlich viele Überreste früher Besiedlung gefunden. Dem Lehrer und Heimatforscher Ernst Bock (1880-1961) verdanken wir die Sicherung und wissenschaftliche Dokumentation unzähliger Fundstücke und vieler Ausgrabungen durch das damalige Provinzialmuseum (heute Landesmuseum). Mit beeindruckender Nachweisdichte läßt sich nachvollziehen, daß Menschen seit Tausenden von Jahren auf dem hochwassersicheren Ufer der Leine günstige Lebensbedingungen gefunden haben. |
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| Die Eisenbahn verändert das Dorf
Als 1847 die Bahnstrecke Hannover-Minden-Köln eröffnet wurde, deutete nichts darauf hin, daß von diesem neuen Verkehrsmittel gerade für Letter maßgebliche Entwicklungsimpulse ausgehen sollten. 1878 entstand im nahen Leinhausen ein Ausbesserungswerk der Königlich Preußischen Eisenbahn, und damals kamen die ersten Eisenbahnerfamilien nach Letter. Hier gab es Bauern, die Land für bescheidene Arbeiterhäuser (mit Ziegenstall und großem Gemüsegarten) zu erschwinglichen Preisen verkauften, und der Weg Letter-Leinhausen entlang der Eisenbahn galt damals als normale fußläufige Wegstrecke zur Arbeit. (weitere Infos zu diesem Weg)
Die Entwicklung in jüngerer Zeit |
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Noch in den 1960er Jahren gab es im heutigen Ortskern landwirtschaftlich genutzte Flächen. Blick auf Lange-Feld-Straße und Kirchstraße ca. 1965. Vorn rechts das damalige Gebäude der Volksbank, im Hintergrund die katholische Kirche St. Maria Rosenkranz. |
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Letter wuchs weiter und verdoppelte seine Einwohnerzahl nach dem 2. Weltkrieg noch einmal von 6.000 auf über 12.000 um 1970. Als 1974 aus elf selbständigen Gemeinden die Großgemeinde Seelze gebildet wurde, war Letter die größte dieser Ortschaften. Über 20 Jahre lang war Letters 1939 erbautes Rathaus dann der zentrale Verwaltungssitz für die Großgemeinde und spätere Stadt (seit 1977), bis die Stadtverwaltung 1996 nach Seelze in ein neues Rathaus umzog. |
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Norbert Saul, Stadtarchiv Die Chronik "Letter. Geschichte und Geschichten" (366 Seiten - Heinrich Tiefuhr 1989) können Sie hier bestellen: archiv@stadt-seelze.de (Versand Inland gegen Rechnung zum Preis von 15,50 Euro incl. Versandkostenbeitrag) Haben Sie noch Fragen? Möchten Sie noch weitere Informationen? Dann schauen Sie doch mal bei der Liste Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte vorbei oder im Heimatmuseum Seelze. Oder wenden Sie sich an das |