Kirchwehren

Wappen Kirchwehren

Der Ortsname, wie wir ihn nach heutigem Sprachverständnis deuten würden, ist hier in heraldische Bildersprache "übersetzt" worden: eine Kirche und eine Palisade als "Wehr" (vgl. dazu die wissenschaftliche Deutung des Ortsnamens). Ergänzt wird das Ortswappen durch die Wappen zweier mit Kirchwehren verbundenen Adelsfamilien. Die im Spätmittelalter hier ansässigen Ketelhodts finanzierten um 1500 einen Kirchenneubau; die Familie von Alten auf Dunau (dort ansässig seit 1558) hatte bis 1875 ein Erbbegräbnis im Turm der Kirche und stiftete die bis heute erhaltene Barockorgel. (Entwurf Alfred Brecht 1960)

Ausführliche Informationen zu den Ortswappen der Seelzer Stadtteile


Als 1996 in Kirchwehren das 900jährige Bestehen des Dorfes feierlich begangen wurde, ging man noch einigermaßen sicher davon aus, dass eine urkundliche Erwähnung von Wegerden 1096 das heutige Kirchwehren meint. (1096 schenkte eine Adlige namens Meresvid dem Bischof von Minden verschiedene Besitztümer, darunter einen größeren Hof in Wegerden.) In jüngerer Zeit sind daran Zweifel aufgekommen, die sich vor allem darauf stützen, dass alle weiteren in der Urkunde erwähnten Orte nicht im hiesigen Marstemgau, sondern weiter westlich im Gau Angari (Engern) liegen. Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem 1096 genannten Wegerden um einen kleinen Ort im Kreis Nienburg handelt, der heute noch den Namen Wegerden trägt und jetzt zur Gemeinde Warmsen gehört.

Rätselhafte Entwicklung eines Ortsnamens

Im Ortsnamenbuch des Landkreises und der Stadt Hannover (Uwe Ohainski und Jürgen Udolph 1998) werden als weitere frühe urkundliche Erwähnungen Kirchwehrens aufgeführt: in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts (1121-1140) Wechertheren und Wrgerderen sowie um 1200 (1185-1206) Wagyrthe, Wegirthe und Wegerthen. (Die entsprechenden Urkunden tragen kein exaktes Datum, die Historiker können den Entstehungszeitraum nur aus dem Kontext erschließen.)

Die Ortsnamenforscher Ohainski und Udolph stellen fest, es habe „den Anschein, als seien Lathwehren und Kirchwehren Reste eines Namens, der sich auf ein größeres Gebiet bezogen hat“. Bis ins 14. Jahrhundert hinein wird in Urkunden als Ortsname nur das Grundwort genannt, das wir heute als „Wehren“ kennen. Vereinzelt finden wir die Verwendung dieses Namens bis ins 17. Jahrhundert, obwohl eine Kirche in Wegerthe schon Anfang des 13. Jahrhunderts (1221) nachgewiesen ist. Daraus folgt, streng genommen, dass wir mindestens bis 1315 (erste ausdrückliche Nennung Lathwehrens: Latweghederen) nie ganz sicher sein können, was mit Wegerden, Wegerthe usw. gemeint ist: Kirchwehren, Lathwehren oder beide zusammen.

 
 

Namensdeutung läßt hohes Alter vermuten

Kirchwehren nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781. Während die Wälder rundum größtenteils als sumpfige Flächen gezeichnet sind, scheint das Dorf mit der angrenzenden Ackerflur auf einer trockenen "Insel" zu liegen. Die "30" beim Ortsnamen bezeichnet die damalige Zahl der Hof- und Hausnummern.
Kirchwehren nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781. Während die Wälder rundum größtenteils als sumpfige Flächen gezeichnet sind, scheint das Dorf mit der angrenzenden Ackerflur auf einer trockenen "Insel" zu liegen. Die "30" beim Ortsnamen bezeichnet die damalige Zahl der Hof- und Hausnummern.

Ohainski und Udolph gehen davon aus, dass eine Deutung des Namensteils Wehren „nur über einen Blick in höchst altertümliche Bildungen und Wortelemente zu gewinnen“ sei. Sie nehmen auf die um 1200 urkundlichen Namensformen Wagyrthe und Wegirthe (im 13. Jahrhundert Wegerthe/n) Bezug und vermuten darin eine ursprüngliche Namensbildung Wagir-ithi oder Weg-r-ithi. Der erste Teil ginge demnach auf indogermanische Wurzeln wie uag- oder ueg- in der Bedeutung von „gebogen sein“ zurück (auch zu finden in dem Wort Wange), was sich auf die Ortslage auf einer sanft abfallen „abschüssigen Ebene“ beziehen könnte. Der zweite Teil bestände demnach ursprünglich aus dem sehr alten norddeutschen Ortsnamenelement -ithi, welches z.B. auch in den heutigen Ortsnamen Benthe, Empelde und Döhren verborgen ist. (Der „Wehren“ heute ähnliche Ortsname Döhren entstand aus dem um 1000 genannten Thurnithi, im 12. Jahrhundert Thornithe.) – Letzte Sicherheit für ihre Deutung des Namens Kirchwehren beanspruchen die Autoren des Ortsnamenbuches nicht.
Die Differenzierung des Namens „Wehren“ (1228 Wegerde, 1267 Wegetheren, 1324 Wegerden) in Kirch-wehren und Lath-wehren ist urkundlich im 14. Jahrhundert nachzuweisen (Kerkwegherden in einem Lehnsregister 1330/52; Latweghederen in einer Urkunde 1315).

 
 

Eine Kirche ist seit dem 13. Jahrhundert belegt

An der Südseite des Kirchturms ist ein alter Kreuzstein vermauert worden. Beim Kirchenneubau 1753 wurde der Turm des Vorgängerbaus im wesentlichen erhalten, er stammt also mindestens aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Kreuzstein stammt also vermutlich aus der um 1500 abgebrannten Kirche, die vermutlich um 1200 erbaut wurde.
An der Südseite des Kirchturms ist ein alter Kreuzstein vermauert worden. Beim Kirchenneubau 1753 wurde der Turm des Vorgängerbaus im wesentlichen erhalten, er stammt also mindestens aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Kreuzstein stammt also vermutlich aus der um 1500 abgebrannten Kirche, die vermutlich um 1200 erbaut wurde.

Die Annahme eines hohen Alters der Siedlung Kirchwehren wird untermauert durch die Tatsache, dass sie spätestens im 13. Jahrhundert Standort einer Pfarrkirche war. Das Kloster Mariensee bei Neustadt am Rübenberge erhält 1221 die Kirche in Wegerthe und einen Hof mit Eigenbehörigen geschenkt. Kirche und Bauernhof gehörten den Grafen von Wölpe, die Schenkung wurde von Bischof Iso von Verden aus dem Hause Wölpe veranlasst. 1223 werden in einer Urkunde zwei Priester aus Wegerde (Lenfrid und Gerard) als Zeugen eines Rechtsgeschäfts genannt.

Von dem Kirchenschiff wissen wir, dass es 1753 erneuert worden ist, der Turm jedoch ist erkennbar deutlich älter. Die Lage der Kirche auf einem kleinen Hügel und die bauliche Beschaffenheit der unteren Turmhälfte (u.a. schmale Schießscharten) lassen Reste einer typischen, vermutlich spätromanischen „Wehrkirche“ erkennen. Die ältesten Teile des heutigen Kirchturms könnten demnach aus der Zeit um 1200 stammen, als im damaligen Bistum Minden zahlreiche kleinere, vermutlich häufig in Fachwerk oder Holz ausgeführte Kirchen durch massive größere Pfarrkirchen ersetzt wurden. Zum Kirchspiel gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach das heutige Lathwehren und das später wüst gefallene Esedinghusen (beim heutigen Gut Dunau).

Der Blick von Norden macht die Hügellage der Kirche besonders deutlich.
Der Blick von Norden macht die Hügellage der Kirche besonders deutlich.

Nach einer Überlieferung aus dem 17. Jahrhundert ist die Kirche um 1500 abgebrannt, und die Einwohner des Kirchspiels mußten fortan nach Seelze zur Messe gehen. In einem kalten Winter soll der Sohn des in Kirchwehren ansässigen Herrn von Ketelhodt erfroren sein, als man ihn - wie damals üblich, wenige Tage nach der Geburt - zur Taufe nach Seelze trug. Daraufhin habe Ketelhodt große Teile seines Vermögens zur Errichtung einer neuen Kirche gestiftet. Diese war rund 250 Jahre später recht baufällig und wurde 1753 durch den Bau ersetzt, der heute noch weithin sichtbar auf einer kleinen Erhebung steht. Ein Wappenstein des Herrn von Ketelhodt ist bis heute im Ostgiebel der Kirche zu sehen.

Die Begräbnisplätze für Kirchwehren, Lathwehren (und früher Esedinghusen) lagen seit dem Mittelalter rund um die Kirche auf dem kleinen Kirchhof, die Dunauer von Alten hatten ein Erbbegräbnis in der Kirche. Nachdem in Lathwehren 1856 ein eigener Friedhof angelegt worden war und ein Familienbegräbnis auf Dunau 1875, verlegten die Kirchwehrener ihren Begräbnisplatz 1878 ebenfalls vom Kirchhof vors Dorf an den Lenther Weg.
1889 wurde das Kirchenpatronat des Klosters Mariensee nach 668 Jahren aufgehoben.
Die Kirchengemeinde wurde 1960 um Almhorst erweitert, welches bis dahin nach Seelze eingepfarrt war.

Die alte Kirchwehrener Pfarrscheune gegenüber der Kirche um 1950. Bis zu seinem Abriß 1952 erinnerte das Gebäude daran, daß Pfarrhöfe jahrhundertelang zugleich Bauernhöfe waren. Um 1700 wurde der Hof mit drei Knechten und zwei Mägden bewirtschaftet.
Die alte Kirchwehrener Pfarrscheune gegenüber der Kirche um 1950. Bis zu seinem Abriß 1952 erinnerte das Gebäude daran, daß Pfarrhöfe jahrhundertelang zugleich Bauernhöfe waren. Um 1700 wurde der Hof mit drei Knechten und zwei Mägden bewirtschaftet.
 
 

Höfe und Einwohner seit 1600

Gasthof Ostermeyer von 1742 (Hof Nr. 7, Neue Straße 2, abgerissen in den 1960er Jahren). Ein Dorfkrug wird bereits im Blumenauer Lagerbuch 1600 erwähnt. Abbildung nach einer Temperazeichnung von Hans Hermann Fricke.
Gasthof Ostermeyer von 1742 (Hof Nr. 7, Neue Straße 2, abgerissen in den 1960er Jahren). Ein Dorfkrug wird bereits im Blumenauer Lagerbuch 1600 erwähnt. Abbildung nach einer Temperazeichnung von Hans Hermann Fricke.

Um 1600 bestand Kirchwehren aus 20 Hofstellen sowie dem Pfarrhof und dem Küsterhaus. Der Musterungsrolle 1585 ist zu entnehmen, daß es daneben sechs Häuslingsfamilien gab, die zumeist auf Kötnerstellen zur Miete wohnten. Höchstens ein Dutzend der Höfe hatte 1600 (Lagerbuch Amt Blumenau) genügend Land, um von dessen Bewirtschaftung zu leben. Die meisten anderen werden zeitweilig als Tagelöhner/innen bei größeren Bauern gearbeitet haben.
In einer Kopfsteuerliste von 1689 werden als Berufsstände neben der Landwirtschaft genannt: ein Pferdehändler, ein Schmied, ein Krüger (ein Dorfkrug ist schon 1600 im Blumenauer Lagerbuch erwähnt), ein Leineweber, ein Reiter und zwei Hirten. Dazu kamen der Pfarrer und der Küster, der gleichzeitig Schulmeister war. Insgesamt lebten hier am Ende des 17. Jahrhunderts knapp 200 Menschen.

150 Jahre später (1848) waren es knappp 300, und um 1900 hatte sich an dieser Zahl noch nicht viel geändert - an der Struktur der Bevölkerung hingegen schon. Nach der Klassensteuerliste 1878 gab es inzwischen eine Vielzahl von Handwerkern und Arbeitern, auch drei Arbeiterinnen. Wie lebten sie in dem seit Jahrhunderten von der Landwirtschaft geprägten Dorf? Betrachten wir als Beispiel die Kötnerstelle Nr. 15. Dort wirtschaftete die Witwe Luise Crull mit einem Knecht; außerdem verzeichnet die Steuerliste die Arbeiter Konrad und Ludwig Spindler mit ihren Familien, den Maurer Heinrich Spindler mit Frau, die Näherin Sophie Spindler und den Arbeiter Heinrich Ziesenis mit Familie; insgesamt 13 Personen. Auf der Brinksitzerstelle Nr. 17 lebten die siebenköpfige Familie des Webers Heinrich Kruse, der Arbeiter Konrad Schrader mit Familie, Tierarzt Theodor Scheel mit Frau und die fünfköpfige Familie des Maurers Friedrich Spindler; zusammen 18 Personen. Hier und da hatten größere Höfe einen Bauplatz abgegeben; denn es gab inzwischen 37 Hof- und Hausnummern.

Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Kötnerstelle Nr. 15 (heute Küsterstraße 14) mit Familie August Crull; ca. 1935.
Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Kötnerstelle Nr. 15 (heute Küsterstraße 14) mit Familie August Crull; ca. 1935.

Nennenswerten Bevölkerungszuwachs brachte erst das Ende des 2. Weltkrieges mit seinen Flüchtlingsströmen. In den ersten Nachkriegsjahren lebten zwischen 500 und 600 Menschen im Dorf, ab 1953 wieder unter 500. Seit Ende der 60er Jahre liegen die Zahlen mit geringen Schwankungen zwischen 500 und 600 (Juli 2010: 560).

 
 

Die einstige Dorfschule

Das 1898 erbaute Schulhaus am südlichen Rand des Kirchhofs wurde nach dem Schulneubau 1954 als Kühlhaus der Gemeinde genutzt. Nachdem es in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt worden ist, wurde es dennoch vor einigen Jahren abgerissen.
Das 1898 erbaute Schulhaus am südlichen Rand des Kirchhofs wurde nach dem Schulneubau 1954 als Kühlhaus der Gemeinde genutzt. Nachdem es in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt worden ist, wurde es dennoch vor einigen Jahren abgerissen.

Schulehalten war anfangs auf kleinen Dörfern Sache der Küster. Mindestens ab Mitte des 17. Jahrhunderts, vermutlich aber schon um 1600 herum hat es in Kirchwehren entsprechenden Unterricht im Küsterhaus gegeben, zu dem anfangs vermutlich auch die älteren Kinder aus Lathwehren kamen.
Die räumlichen Verhältnisse für den Unterricht waren bis ins 19. Jahrhundert hinein mehr als dürftig - man stelle sich 40 Kinder in einer 16-qm-Schulstube im Küster- oder Lehrerwohnhaus vor. Wirklich Abhilfe brachte wohl erst der Bau eines separaten kleinen Schulhauses 1898 gleich neben dem Küsterhaus. Weil wehrfähige Lehrer Soldaten werden mußten, wurde die Schule von 1941 bis 1945 geschlossen, und die Kinder gingen nach Almhorst oder Döteberg. Im Schulhaus waren zeitweilig Soldaten und dann russische Kriegsgefangene untergebracht.

Im Frühjahr 1946 wurde die Dorfschule in dem wegen der vielen Flüchtlingskinder viel zu kleinen Haus wieder eröffnet, und 1953/54 konnte auf einem Grundstück im Westen der Küsterstraße neu gebaut werden. Doch die niedersächsische Schulreform brachte schon in den 60er Jahren eine Reduzierung auf die Jahrgänge 1 bis 4, und im Januar 1973 wurde die Schule ganz geschlossen. Seit 1975 beherbergt das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus u.a. einen Kindergarten, und das Dachgeschoß wurde zum Veranstaltungsraum ausgebaut.

Die Försterei, die Königseiche und der Prinzentisch

Die ausgedehnten landesherrlichen Forsten um Kirchwehren wurden von Dedensen bzw. Luthe aus betreut, vor Ort gab es bis 1750 nur einen zum Holzknecht ernannten Dorfbewohner. Dann wurde für Kirchwehren die Stelle eines "gehenden" Försters (abgegrenzt zum höhergestellten reitenden) geschaffen.

Das zur Zeit von Förster Pieper 1865/66 erbaute Forsthaus an der Lenther Straße.
Das zur Zeit von Förster Pieper 1865/66 erbaute Forsthaus an der Lenther Straße.

Ein für die Dorfgeschichte besonders wichtiger Förster (von 1861 bis 1889) war Friedrich Pieper. Seine aus der französischen Schweiz stammende Frau hatte in Hannover bei Hofe gedient, weshalb Kronprinz Ernst August Kirchwehren gelegentlich besuchte. Und zum Schützenfest 1864 kam er sogar in Begleitung des Königs Georg V.
Friedrich Pieper war es auch, der 1880 einen Gedenkstein für den von ihm verehrten Forstdirektor Burckhardt errichten ließ (s.u.).

"Dem Andenken des Forstdirektor's Dr. Burckhardt gewidmet. 1880" - Diesen Stein für den bedeutenden hannoverschen Forstmann, Lehrenden und Schriftsteller Heinrich Christian Burckhardt (1811-1879) ließ Förster Pieper südlich des Forsthauses am Rande des Bössels aufstellen.
"Dem Andenken des Forstdirektor's Dr. Burckhardt gewidmet. 1880" - Diesen Stein für den bedeutenden hannoverschen Forstmann, Lehrenden und Schriftsteller Heinrich Christian Burckhardt (1811-1879) ließ Förster Pieper südlich des Forsthauses am Rande des Bössels aufstellen.

Weitere Informationen zu Heinrich Christian Burckhardt können Sie hier herunterladen.

 
 
Die neue „Königseiche“ mit dem runden Steintisch von 1864, heute gegenüber dem Forsthaus. Im Vordergrund der „Prinzentisch“ von 1726.
Die neue „Königseiche“ mit dem runden Steintisch von 1864, heute gegenüber dem Forsthaus. Im Vordergrund der „Prinzentisch“ von 1726.

Damals lag der Festplatz des Dorfes am Lenther Weg, und dort wurde eine alte Eiche zu Ehren des hohen Besuchs zur „König Georgs Eiche“ ernannt, und bei dem Baum wurde ein runder Steintisch errichtet. Die damalige „Königseiche“ fiel rund hundert Jahre später einem Sturm zum Opfer. Heute trägt eine jüngere Eiche gegenüber dem Forsthaus das Schild „König Georgs Eiche“.

Dort steht auch der sogenannte Prinzentisch, der allerdings schon aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Er erinnert an den Prinzen des Kurfürstentums Hannover Friedrich Ludwig (1707-1751). Als Kurfürst Georg Ludwig, sein Großvater, 1714 als König Georg I. nach London übersiedelte, musste der damals siebenjährige Friedrich Ludwig elternlos in Hannover zurückbleiben. Als Kind und junger Mann war er lange der Mittelpunkt des hannoverschen Hofes.
Seine Eltern und Geschwister sah Friedrich Ludwig erst 1728 wieder, als ihn sein Vater nach dem Regierungsantritt als König Georg II. nach London holte. Der Prince of Wales und designierte Thronfolger starb jedoch vor seinem Vater (1751 im Alter von nur 44 Jahren) und konnte das Thronerbe nicht mehr antreten.

Inschrift auf der Platte des „Prinzentisches“: Auf gnedigst hohen Befehl Ihro Hoheiten  Print[z]en Friederich Ludowigs zu Hannover ist dieser Tisch aufgerichtet Anno 1726
Inschrift auf der Platte des „Prinzentisches“: Auf gnedigst hohen Befehl Ihro Hoheiten
Print[z]en Friederich Ludowigs zu Hannover ist dieser Tisch aufgerichtet Anno 1726

Ebenso wie die Königseiche mit dem runden Steintisch von 1864 hat auch der Prinzentisch von 1726 ursprünglich einen anderen Standort gehabt. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1781 ist er im Forst Riepen westlich von Döteberg verzeichnet, an einer Allee, die seinerzeit in etwa nord-südlicher Richtung durch den Wald führte (im Kartenausschnitt grün hervorgehoben).

Ausschnitt Kurhannoversche Landesaufnahme 1781 mit Allee im Riepen und dem ursprünglichen Standort des Prinzentisches
Ausschnitt Kurhannoversche Landesaufnahme 1781 mit Allee im Riepen und dem ursprünglichen Standort des Prinzentisches

Nach den großen Agrarreformen des 19. Jahrhunderts (Ablösung grundherrlicher Lasten, Gemeinheitsteilung und Verkoppelung), die mit neuen Eigentumsverhältnissen die Möglichkeit einer umfassenden „Flurbereinigung“ schufen, wurden vielerorts Waldflächen gerodet und in Ackerland umgewandelt. So geschah es auch mit dem östlichen Teil des Riepen bis an die vormalige Allee, an der der Prinzentisch stand. Wann der Tisch umgesetzt wurde, ist jedoch nicht bekannt. Die Preußische Landesaufnahme von 1898 zeigt eine aufgeräumte Landschaft, in der sich der frühere Standort des Prinzentisches nun am Waldrand befindet.

Früherer Standort des Prinzentisches in der Preußischen Landesaufnahme 1898
Früherer Standort des Prinzentisches in der Preußischen Landesaufnahme 1898
 
 
 
 

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Kirchwehren hat sich weitgehend ein dörfliches Ortsbild bewahrt, obwohl die prägenden Entwicklungen der Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg auch um dieses Dorf keinen Bogen gemacht haben. Die jahrhundertelang beherrschende Landwirtschaft spielt nur noch eine bescheidene Rolle, die Wohnbevölkerung arbeitet trotz ansässiger größerer Handwerksbetriebe kaum noch am Ort, sondern pendelt vor allem nach Hannover. Geblieben ist die alte Verbundenheit im einstigen Kirchspiel mit Lathwehren und Dunau, und gestärkt wurde die Verbindung zu weiteren Nachbardörfern durch die Bildung der Großgemeinde Seelze 1974 (ab 1977 Stadt), mit der Kirchwehren seine Selbständigkeit verlor.

 
 

Norbert Saul, Stadtarchiv

Haben Sie noch Fragen? Möchten Sie noch weitere Informationen? Dann schauen Sie doch mal bei der Liste Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte vorbei oder im Heimatmuseum Seelze.

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