Fritz Arend - Ein Leben für die Politik

(100. Geburtstag am 6. November 2008)

Fritz Arend

Fritz Arend war einer von den Männern, die in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg großen Einfluß auf die Entwicklung der damaligen Gemeinde Letter ausübten, ein "Mann der ersten Stunde" also. Und er hatte, das muß erwähnt werden, eine "Frau der ersten Stunde" an seiner Seite, Elfriede Arend, die 1946 als erste Frau in den Gemeinderat einzog, berufen von der britischen Besatzungsmacht.
Der gebürtige Hannoveraner Fritz Arend und die gebürtige Letteranerin Elfriede Möller hatten sich als Mitglieder des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) kennengelernt und 1941 geheiratet. 1945 traten sie beide der SPD bei.
Fritz Arend, 1908 als Sohn eines hannoverschen Fabrikarbeiters geboren, war schon 1924 einmal SPD-Mitglied gewesen. Doch er war damals, mit 16, 17 Jahren, ein Feuerkopf mit der Kompromißlosigkeit der Jugend; die Partei schloß ihm zuviele Kompromisse, mit denen er nicht einverstanden war. Schon 1925 wechselte er daher zu dem gerade gegründeten ISK. Dieser kleinen Organisation gehörten vor allem junge Leute an, die sehr hohe ethisch-moralische Ansprüche an politisches Handeln und persönliche Lebensführung stellten. Ab 1933 war die Gruppe aktiv im Widerstand gegen die Nazis. Als Fritz Arend 1933 untertauchte, hielt er sich lange in Westfalen, im Rheinland, in Frankreich und den Niederlanden auf.
Aus dem ISK kannte Arend z.B. Alfred Kubel, der 1970 niedersächsischer Ministerpräsi¬dent wurde. Auch der spätere IG-Metall-Vorsitzende Otto Brenner, Hannoveraner wie Arend, gehörte zu den gleichaltrigen Bekannten aus den 1920er/-30er Jahren.
Das Arbeitermilieu, aus dem er stammte, war immer Arends politisches Zuhause; ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, persönliche Bescheidenheit und große Hilfsbereitschaft zeichneten ihn aus. Rolf Schieke, ein langjähriger Weggefährte, sagte in seiner Gedenkrede am Grab des 1985 Verstorbenen, Arend sei "für seine Mitbürger die Inkarnation für soziales Engagement, Unbestechlichkeit, Korrektheit und Aufrichtigkeit" gewesen. Und seine Mitbürger, das waren ab 1945 vor allem die Letteraner.
Durch seine hier aufgewachsene Frau Elfriede nach Letter gekommen, war er hier ab 1946 zwanzig Jahre lang politisch aktiv im Gemeinderat. Und Rolf Schieke erinnert sich, daß es bei den Wahlen gleichgültig war, auf welchem Listenplatz Fritz Arend kandidierte, er wurde doch immer auf einen der vordersten Plätze gewählt. Auch Mitglied des Kreistages war er 1946 bis 1966 und führte dort die SPD-Fraktion; zuletzt war er stellvertretender Landrat. Bei der Gründung des Großraumverbandes Hannover 1963 wirkte er maßgeblich mit.
Für die SPD arbeitete Arend während all dieser Jahre auch hauptamtlich als Kreissekretär und später als Referent für Kommunalpolitik im Bezirk Hannover. Mitte der 1960er Jahre, er war Mitte 50, war klar: Der nächste Landrat in Hannover würde Fritz Arend heißen. Man konnte sich keinen geeigneteren vorstellen. Doch 1966 traf ihn ein schwerer Schlag, der allen beruflichen und politischen Hoffnungen ein jähes Ende setzte, er verlor vollständig sein Gehör.
Am 6. Mai 1966 wurde er mit der Ehrenmedaille der Gemeinde, verliehen für zwanzig Jahre verdienstvolle Arbeit für die Menschen in Letter, in den so unerwarteten und schmerzlichen Ruhestand entlassen. Fast zwanzig Jahre lebte er mit seiner Behinderung, die ihn ins Abseits zwang, diszipliniert und ungebeugt; am 14. August 1985 starb er.

Norbert Saul
Stadtarchiv Seelze

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