Chronik des Alten Kruges in Seelze

Der Alte Krug in den 1930er Jahren
Der Alte Krug in den 1930er Jahren

Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts befindet sich der heutige „Alte Krug“ an der Hannoverschen Straße, die früher als „Heerstraße“ Hannover mit Osnabrück verband. Ursprünglich befand sich die Kleinkötnerstelle Seelze Nr. 19, welcher im 16. Jahrhundert die „Kruggerechtigkeit“ zugelegt wurde, mitten im Dorfkern an der Schmiedestraße (heute Kolbestraße). Wie andere kleinbäuerliche Kötnerstellen auch ist sie schon im Mittelalter gegründet worden, wann genau, ist nicht bekannt. Die Hofstelle gehörte der Seelzer Pfarre, der jeweilige Pfarrer war also „Grundherr“ des Hofes, dem für die Nutzung bestimmte Abgaben zu leisten waren.

Wahrscheinlich Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Hofstelle aus der Enge des Dorfkerns an die Heerstraße südlich des Dorfes verlegt (heute Hannoversche Straße). Möglicherweise hing diese Umsiedlung mit einer ersten Schanklizenz zusammen, die 1530 von Herzog Erich I. erteilt worden sein soll. Wer damals auf dem Lande einen Krug betreiben wollte, brauchte die Kundschaft der Fuhrleute; diese kamen jedoch nicht durchs Dorf, sondern waren vor allem auf der Landstraße unterwegs. Die Schanklizenz (Kruggerechtigkeit), für die Abgaben zu leisten waren, mussten seinerzeit immer mal wieder neu vom Landesherrn erbeten werden. Bis heute erhalten ist die am 3. Oktober 1565 von Herzog Erich II. für den damaligen Inhaber Heinrich Lockemann ausgestellte Kruggerechtigkeit.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte für das ganze Calenberger Land und auch für den Seelzer Krug viel Not und Elend mit sich. In den 1640er Jahren war die Kleinkötnerstelle Nr. 19 verarmt und der Inhaber verkaufte sie 1645 auf Abbruch an einen Krüger (Gastwirt) aus Hannover. Danach lag die Hofstelle lange Zeit „wüst“ und diente dem Seelzer Pastor zeitweilig als Kälberweide. Erst 1660 wurde der Hof neu aufgebaut, und 1679 übernahm Hans Rotermund, zuvor Krüger in Gümmer (im heutigen Zollkrug), den Gasthof. 1687 erhielt das Hauptgebäude die Gestalt, die es bis heute hat, versehen mit der Namensinschrift von Rotermund und seiner Frau.

1746 kamen Hof und Krug durch Heirat einer erbenden Tochter an Johann Joachim Goltermann und blieb dann fast 200 Jahre im Besitz dieser Familie. Der Betrieb der Eisenbahnlinie ab 1847 verringerte natürlich die Zahl der Fuhrleute, die auf der Chaussee am Gasthof vorbeikamen, anhielten und etwas verzehrten; andererseits aber war Seelze ein aufstrebendes Dorf mit zahlreichen Handwerksbetrieben und bald sogar ersten kleinen Fabriken. Die Krugkundschaft reichte bald für mehrere Gaststätten im Ort.

Doch der Weltkrieg 1914-18, die nachfolgende Inflation und die große Arbeitslosigkeit Ende der 1920er Jahre brachten auch für den traditionsreichen Seelzer Krug schwere Zeiten; Landverkäufe wurden notwendig, und 1931 verkaufte Heinrich Goltermann, unverheiratet und kinderlos, Haus und Hof an den Seelzer Kaufmann Wilhelm Gebhardt. Nach kurzer Erholung des Gasthofes in den 1930er Jahren ging es ab 1940 (1939 begann der 2. Weltkrieg) erneut bergab, und 1950 übernahm dann die Familie Schenkemeyer aus Hannover die Bewirtschaftung des „Alten Kruges“, betrieb im umgebauten Saal die „Seelzer Lichtspiele“ und hielt bis 1990 die Schanktradition aufrecht.

In den 1990er Jahren wurde der Alte Krug in eine umfassenden bauliche Neugestaltung des Seelzer Ortszentrums einbezogen. Erhalten blieb dabei von der alten Bausubstanz nur das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude, das bis heute einen Blickfang darstellt.

Über 450 Jahre bewegte Geschichte von Seelzes ältestem Gasthof sind ausführlich dargestellt und mit zahlreichen Abbildungen illustriert in einer zum Download bereit stehenden PDF-Datei (4,71 MB).

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