Die Almhorster Windmühle und weitere Seelzer Mühlen

Im Jahr 2007 bestand die Windmühle Almhorst, 1882 einen knappen Kilometer nordöstlich des Dorfes an der Straße nach Seelze erbaut, 125 Jahre. Aus diesem Anlaß hat der Mühlenexperte Rüdiger Hagen eine kleine Abhandlung zur Geschichte der Mühle verfaßt, die hier auszugsweise wiedergegeben wird. Illustriert hat der Autor seinen Text mit Rekonstruktionszeichnungen, die einen lebendigen Eindruck vom früheren Aussehen der Windmühle und der Mahltechnik vermitteln. Ergänzend folgen kurze Texte von Cordula Grobelny zur jüngeren Geschichte der Almhorster Mühle und von Norbert Saul zu den Mühlen im Seelzer Stadtgebiet.


Die Almhorster Windmühle in der Preußischen Landesaufnahme von 1898, weitab vom Dorf erbaut, mit freiem Vorfeld nach Südwesten, was in unserer Gegend die Hauptwindrichtung ist.
Die Almhorster Windmühle in der Preußischen Landesaufnahme von 1898, weitab vom Dorf erbaut, mit freiem Vorfeld nach Südwesten, was in unserer Gegend die Hauptwindrichtung ist.

Gedanken zur Bau- und Betriebsgeschichte (Auszug)

Im Seelzer Stadtgebiet haben sich einst vier Windmühlen gedreht: in Lohnde in der Krummen Masch, in Almhorst, auf dem Gut Dunau bei Lathwehren und in Harenberg. Wenn auch längst keine mehr in Betrieb ist, sind doch drei dieser Mühlengebäude bis heute erhalten.
Zu den noch existierenden Windmühlen gehört die Almhorster Mühle. Sie feierte im Jahr 2007 ihr 125-jähriges Jubiläum. Grund genug, etwas über ihre Bau- und Betriebsgeschichte zu Papier zu bringen.
Der Müller Wilhelm Rindfleisch ließ diese Mühle 1882 als in Ziegelstein gemauerte Holländermühle mit hölzerner Galerie zum Bedienen der Flügel erbauen. Eine sandsteinerne Inschriftplatte über der Eingangstür wies das Baujahr aus. (Sie ist erhalten, mußte aber beim notwendigen Aufmauern der Außenhaut entnommen werden.)

Rekonstruktion der ursprünglichen Außenansicht der Almhorster Mühle. Zeichnung: Rüdiger Hagen 2007
Rekonstruktion der ursprünglichen Außenansicht der Almhorster Mühle. Zeichnung: Rüdiger Hagen 2007

Die Mühle ist eine der größeren Holländermühlen der Region und mit fünf Böden (Geschossen) ausgestattet (siehe Zeichnung Querschnitt). Die ursprüngliche Einrichtung bestand aus einem Mahlgang für Weizen, einem Mahlgang für Roggen und einem Futterschrotgang, zwei Mehlsichtmaschinen (sog. "Sechskantsichter") und einem Fahrstuhl zum Transport der Mehl-, Schrot- und Getreidesäcke.
Der Antrieb der Mahl- und Schrotgänge erfolgte von unten durch eine senkrecht stehende Königswelle aus Stahl und ein großes eisernes Stirnrad. Lediglich die im drehbaren Mühlenkopf (Kappe) befindliche Flügelwelle mit dem großen Kammrad bestand noch aus Holz, trug aber der Bauzeit entsprechend schon einen eisernen Wellkopf.

Rekonstruktion des Querschnitts der Almhorster Mühle im ursprünglichen Zustand. Zeichnung: Rüdiger Hagen 2007
Rekonstruktion des Querschnitts der Almhorster Mühle im ursprünglichen Zustand. Zeichnung: Rüdiger Hagen 2007

Die Kappe wurde durch eine achtflügelige Windrose automatisch in den Wind gedreht, die Flügel besaßen je nach Windrichtung selbstständig einstellende Jalousieklappen. Mit diesen Einrichtungen gehörte die Almhorster Mühle damals zu den leistungsfähigsten der Region.
1886 ließ Müller Rindfleisch vor der Mühle an der Landstraße das Müllerhaus errichten. Die Mühle selbst konnte nur etwas abseits der Straße im Feld stehen, damit durch die drehenden Flügel nicht die Pferde scheuten. Im Müllerhaus wurde auch eine kleine Bäckerei untergebracht.
Der Betrieb florierte anscheinend gut, und um von Wind unabhängiger zu werden, ließ Rindfleisch in einem besonderen Maschinenhaus einen Gasmotor aufstellen, der die Mühle bei Windstille antrieb. Wahrscheinlich fand dieser Umbau um 1900 statt.

Die Almhorster Windmühle um 1900 mit Flügeln, Galerie und Windrose. Vorn, an der Straße nach Seelze, das Müllerhaus und Müller Rindfleisch mit Familie. Hinter Wilhelm Rindfleisch ist der Anbau für den Gasmotor zu erkennen.
Die Almhorster Windmühle um 1900 mit Flügeln, Galerie und Windrose. Vorn, an der Straße nach Seelze, das Müllerhaus und Müller Rindfleisch mit Familie. Hinter Wilhelm Rindfleisch ist der Anbau für den Gasmotor zu erkennen.

Der Mühlenbetrieb befand sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts auf seinem Höhepunkt. Schnell und unerwartet begann jedoch wenig später der Niedergang dieser bedeutenden Windmühle. Im Jahr 1930 brachen die Flügel ab. Sie zu ersetzen war dem Müller offenbar finanziell nicht möglich. Über einige Jahre trieb noch ein Motor die Mahlwerke an, der Mühlenbetrieb ging jedoch immer weiter zurück, und 1942, wurde die Mühle endgültig stillgelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der vordere Teil der hölzernen Welle abgesägt, den Kopf ließ man zu Boden stürzen, wobei die Turmmauer beschädigt wurde. Die Flügelwelle wurde ausgebaut und vor der Mühle aufgestellt. Für den etwa 1,5 Tonnen schweren Wellenkopf konnte man in der trostlosen Nachkriegszeit noch gute Schrottpreise erzielen. Noch immer befanden sich zwei Mahlgänge und die Sichtmaschinen in der Mühle. Sie wurden Mitte der 1950er Jahre an die Windmühle Sorsum bei Wennigsen verkauft.
Rüdiger Hagen

Die jüngere Geschichte

Nach der Demontage stand die Mühle über Jahrzehnte leer und verfiel weitgehend, so daß in den 1980er Jahren dort nur noch eine hohle Röhre stand.

Die verfallende Almhorster Mühle um 1980
Die verfallende Almhorster Mühle um 1980

Zwar wurden etliche Zeitungsartikel über den beklagenswerten Verfall der Mühle geschrieben, sonst passierte allerdings nichts. Die Mühle stand nicht unter Denkmalschutz - sie war schon verfallen, als das Denkmalkataster des Landkreises Hannover um 1980 erstellt wurde -, daher gab es auch keine Zuschüsse zur Restaurierung.
Im Jahr 1987 verkaufte der damalige Eigentümer die Mühle an ein interessiertes Studentenehepaar aus Garbsen, und nachdem es - mit etlichen Auflagen - grünes Licht vom Bauamt gab, standen die folgenden Jahre ganz im Zeichen von Umbau zu Wohnzwecken, Renovierung und Erneuerung.
Türen und Fenster wurden eingebaut, neue Holzbalkendecken eingezogen, überall wurden Stromkabel und Fußbodenheizungsrohre verlegt, denn an runden Wänden lassen sich natürlich normale Heizkörper ausgesprochen schlecht anbringen. Auch war es nicht so einfach, passende Treppen in den Mühlenkörper zu integrieren.
25.000 rote Klinker waren nötig, um der Almhorster Mühle auch von außen wieder ihr früheres Aussehen zu verleihen. Im Jahr 2000 wurde dann die marode und wurmstichige Mühlenkuppel durch eine neue Kupferhaube ersetzt.

Das renovierte und zu Wohnzwecken umgebaute Mühlengebäude mit neuer Kupferhaube im Herbst 2007
Das renovierte und zu Wohnzwecken umgebaute Mühlengebäude mit neuer Kupferhaube im Herbst 2007

Den Gedanken an neue Flügel, mit denen per Generator Strom erzeugt werden könnte, hat Cordula Grobelny, die seit 20 Jahren in der Almhorster Mühle wohnt, erst einmal ad acta gelegt, wenn auch alle technischen Voraussetzungen dafür bei der Renovierung vorgesehen wurden. Natürlich wäre es sehr reizvoll die Mühle wieder auf moderne Weise in Betrieb zu setzen, aber da Investitionszuschüsse nicht zu erwarten sind, stehen Aufwand und Nutzen in einem sehr ungünstigen Verhältnis.
Cordula Grobelny

 
 

Mühlen in Seelze

Bei der Bockwindmühle wurde der gesamte Oberbau mit Hilfe des "Steert", eines gewaltigen Eichenstamms oder -balkens, in den Wind gedreht. (Nach einem Kupferstich von Daniel Chodowiecki 1780)

Im heutigen Seelzer Stadtgebiet hat es schon im Mittelalter Wassermühlen an der Leine bei Lohnde und Seelze gegeben (früheste Erwähnungen im 13. Jahrhundert), eine weitere befand sich ab 1712 an der Haferriede beim Gut Dunau.

 
 
Die restaurierte Bockwindmühle bei Dudensen. Sie wurde 1827 aus Twistringen versetzt. Foto: Walter Struß 2005
Die restaurierte Bockwindmühle bei Dudensen. Sie wurde 1827 aus Twistringen versetzt. Foto: Walter Struß 2005

Während eine erste Bockwindmühle im Raum Hannover schon für das 14. Jahrhundert in Evern (Sehnde) bezeugt ist, wurde die erste hiesige Windmühle erst 1684 zwischen Harenberg und Döteberg durch die Herren von Lenthe errichtet. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um eine Bockwindmühle, die 1860 durch eine modernere Holländermühle ersetzt wurde.

Die Windmühle auf der Höhe des Linnenberges zwischen Döteberg und Harenberg in der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781.
Die Windmühle auf der Höhe des Linnenberges zwischen Döteberg und Harenberg in der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781.

1851 ließ Wilhelm von Alten die Dunauer Windmühle an Stelle der alten Wassermühle errichten, weitere Windmühlen wurden in Lohnde 1872 und Almhorst 1882 gebaut.


Die Lohnder Windmühle in der Preußischen Landesaufnahme von 1898. Sie stand in der Krummen Masch nahe der Eisenbahnlinie, ein wenig östlich der Stelle, wo heute die Eisenbahn den Mittellandkanal kreuzt. Die Mühle wurde ab 1934 ausgeschlachtet und abgebrochen; Teile wurden zur Reparatur der Mardorfer Mühle verwendet.
Die Lohnder Windmühle in der Preußischen Landesaufnahme von 1898. Sie stand in der Krummen Masch nahe der Eisenbahnlinie, ein wenig östlich der Stelle, wo heute die Eisenbahn den Mittellandkanal kreuzt. Die Mühle wurde ab 1934 ausgeschlachtet und abgebrochen; Teile wurden zur Reparatur der Mardorfer Mühle verwendet.

Die Holländerwindmühle

Die betriebsbereite Harenberger Windmühle mit Galerie und Windrose um 1935.
Die betriebsbereite Harenberger Windmühle mit Galerie und Windrose um 1935.
Ebenfalls ein „Galerie-Holländer“: Die Dunauer Windmühle in den 1930er Jahren.
Ebenfalls ein „Galerie-Holländer“: Die Dunauer Windmühle in den 1930er Jahren.
Die Lohnder Windmühle in der Krummen Masch, ein Holländer ohne Galerie, 1926.
Die Lohnder Windmühle in der Krummen Masch, ein Holländer ohne Galerie, 1926.

Die sogenannte Holländerwindmühle unterscheidet sich von der Bockwindmühle vor allem dadurch, daß bei ihr nur der Kopf, an dem die Flügel befestigt sind, gedreht wird. Leonardo da Vinci soll um 1500 ein solches Modell gezeichnet haben, technisch entwickelt wurde es im 16. Jahrhundert aber von einem flämischen Müller aus den Niederlanden (die damals unter spanischer Herrschaft auch das heutige Belgien einschlossen). Höhere Mühlengebäude erhielten bald eine umlaufende Galerie im ersten Stockwerk ("Galerieholländer"), und technisch wurde die Mühle später durch die Erfindung der Windrose perfektioniert, welche den Mühlenkopf automatisch in den Wind dreht.
Norbert Saul

Literatur

  • Wilhelm Kleeberg, Niedersächsische Mühlengeschichte, 1979
  • Heinz Koberg, Mühlen rund um Hannover, 1987
  • Elfriede Hengstmann-Deppe, Der Lohnder Wall, in: Seelzer Geschichtsblätter Heft 4, 1993
  • Norbert Saul, Das Rittergut Dunau und die Familie von Alten, Seelzer Geschichtsblätter 1994
  • Horst Siele, Lohnde von 1900 bis 1945, Lebensbilder und Entwicklungen, in: Ortsgeschichte Lohnde, 1992
  • Hans-Erich Wilhelm, Die Wüstung Immendorf zwischen Döteberg und Harenberg, in: Seelzer Geschichtsblätter Heft 10, 1995

 

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